Leseprobe:Der Wahnsinn nimmt kein Ende
von Darius Dreiblum

Einleitung
Bin ich verrückt oder ist es die Welt, die wahnsinnig ge-
worden ist? Das ist etwas, was mich schon geraume Zeit
beschäftigt. Vor ein paar Jahren bin ich zu der Erkenntnis
gelangt, dass nicht ich es bin, der dringend einer Behand-
lung bedarf, die mich erneut so zurechtrückt, dass ich in
unserer Gesellschaft wieder so funktioniere, wie das ge-
fälligst sein soll und damit weiteren Wohlstand für die Rei-
chen schaffe, sondern dass das ganze Weltgefüge so er-
schüttert ist, dass sich grundsätzlich etwas daran ändern
muss, damit es den Menschen wieder besser geht. Nur
wie kann das erreicht werden, stellt sich mir seitdem äu-
ßerst dringlich die Frage?
In diesem Zusammenhang fällt mir immer die Geschichte
von den Fröschen ein. Ein Frosch schwimmt zusammen
mit ein paar anderen Fröschen in einer Schüssel Wasser.
Dieser Topf wird langsam erhitzt. Die Amphibien merken
es nicht, dass das Wasser irgendwann kochen wird, da sie
Schritt für Schritt daran gewöhnt werden. Irgendwann
blubbert das Wasser bei 100 Grad, die Frösche sind gut
durch, schwimmen mit dem Bauch nach oben auf der
Wasseroberfläche und sind tot. Ich habe eines Tages ge-
merkt, dass ich so ein Frosch bin, hatte aber keine Lust
mehr, mich abkochen und verspeisen zu lassen. Daher be-
wege ich mich gerade zum Rand des Kochtopfs und will
ihn verlassen. Ich weiß nicht, ob ich es rechtzeitig schaf-
fen werde, über den Rand des Pottes zu gelangen, aber
ich probiere es zumindest.
Meine Mitfrösche, die nicht wirklich etwas davon ahnen,
was mit ihnen passiert, habe ich selbstverständlich ge-
warnt und gebeten, mit mir das warme Wasser zu verlas-
sen. Doch denen war das zu ungewiss, welches Schicksal
außerhalb des Topfes auf sie wartet. Zudem war das Was-
ser gerade so wohl temperiert und angenehm, dass sie es
nicht verlassen wollten. Dass sie mich aufgrund meiner
Warnungen Wutfrosch oder Vieldenker nannten, lasse ich
dabei mal außen vor.
Nun aber zurück zu meinem eigentlichen Thema. Dem
Wahnsinn des Systems. Wenn ich durch die Straßen der
kleinen Stadt laufe, in der ich wohne, muss ich mich im-
mer wieder darauf hinweisen, dass irgendjemand die
schönen Häuser besitzt, an denen ich dabei vorbeikomme.
Aber auch wenn ich mich durch den nahen Wald und die
Weinberge bewege, drängt sich bei mir der gleiche Ge-
danke auf. Alles gehört jemanden. Wieso und seit wann
ist das so? Und gehört die Erde mit allem, was sich darauf
befindet, nicht auch allen Menschen? Weswegen besitzt
der eine mehr als der andere? Wenn man solche Fragen
vertiefen möchte, kann man ganz leicht als verrückt an-
gesehen werden.
Oder anders herum. Ich sehe es ein, dass, wenn eine Fa-
milie ein Haus baut und darin wohnt, es ihr auch gehören
soll. Doch was ist mit den Menschen, die nicht nur ein
Haus besitzen, sondern hunderte, vielleicht sogar tau-
sende davon? Diese Menschen haben sich ihren Reichtum
erarbeitet. Die waren fleißiger als die anderen Drückeber-
ger. Leistung hat sich schon immer gelohnt und muss sich
auch weiterhin lohnen. Das ganze andere Schmarotzer-
pack liegt den arbeitenden Menschen doch nur auf der
Tasche. So oder so ähnlich, könnte eine Antwort darauf
lauten.
Doch mein Gedanke ist, dass ein normal arbeitender
Mensch in der heutigen Zeit, auch wenn er gar nicht
schlecht verdient, sich nur schwerlich ein eigenes Haus
leisten kann, geschweige denn hunderte oder tausende
davon. Außerdem muss er sich dazu bis zu seinem Le-
bensende bei der Bank seines Vertrauens verschulden und
hat damit schon fast seine Seele verkauft. Denn die Bank
möchte ihr Geld zurück, koste es, was es wolle. Da kann
ganz schnell aus einem arbeitenden Menschen ein bettel-
armer, obdachloser Schlucker werden.
Als ich erfuhr, dass das Geld, dass die Banken ihren Kun-
den leihen, aus dem Nichts entsteht, sogenanntes Fiat-
geld ohne reellen Gegenwert ist, wurde mir schon etwas
mulmig zumute. Und das ist erstaunlicherweise schon
ziemlich lange so. 1971 endete das Bretton-Woods-Sys-
tem, das nach dem zweiten Weltkrieg goldgedeckte Wäh-
rungen und die entsprechenden Wechselkurse einführte.
(1)(2)
Das Geld, was sich auf meinem Bankkonto befindet, kann
sich also jederzeit in das zurückverwandeln, aus dem es
entstanden ist, in Nichts, nada, niente, nothing. Wenn das
die anderen Frösche wüssten, würden sie vielleicht nicht
ganz so entspannt sein, oder? Aber das Problem, Geld auf
dem Bankkonto zu haben, haben weniger Menschen als
man denkt, denn laut dem Armuts- und Reichtumsbericht
der Bundesregierung, lebten in Deutschland 2021 fast 16
% der Menschen in Armut, wohingegen die reichsten 10
% über 50 % des vorhandenen Reichtums innehatten.
Und das mit steigender Tendenz. Oder mit anderen Wor-
ten werden die Reichen immer reicher und die Armen im-
mer ärmer. Obwohl das eigentlich ziemlich infam ist, gibt
es kaum Widerstand dagegen. (3)
Einem der reichsten Männer der Welt, Warren E. Buffett
fiel dazu nichts anderes ein, als zu sagen: „Es herrscht
Klassenkrieg, richtig, aber es ist meine Klasse, die Klasse
der Reichen, die Krieg führt, und wir gewinnen“ (4)
Ich sehe eine meine Aufgaben darin, dass eben dies nicht
geschieht. Auch wenn sie sich redlich darum bemühen,
will ich den Reichen nicht das Vergnügen gönnen, mich zu
besiegen.
In dem Zitat von Warren E. Buffett fällt allerdings noch
ein wichtiger Begriff, der einen zweiten elementaren
Themenbereich darstellt, den ich neben der Armut und
der ominösen Verteilung von Reichtum in diesem Buch be-
handeln werde. Kriege und bewaffnete Konflikte gehören
angeblich zur Menschheitsgeschichte wie das morgendli-
che Aufstehen und das abendliche Zubettgehen. Der ein
oder andere mag das bezweifeln. Worin hingegen viele
übereinstimmen werden, hat Jean-Paul Sartre zum Aus-
druck gebracht: „Wenn die Reichen Krieg führen, sterben
die Armen.“ (5) Ich habe noch von keinem Millionär ge-
hört, der für sein Land im Krieg gestorben ist, jedoch von
vielen Menschen der Arbeiterklasse, die in den Schützen-
gräben jämmerlich zugrunde gegangen sind.
Laut offiziellen Statistiken sind während des zweiten Welt-
kriegs 24 Millionen Menschen aus der Sowjetunion ums
Leben gekommen, davon 9,75 Millionen Soldaten und
14,25 Millionen Zivilisten. In Deutschland waren es 7,7
Millionen Menschen, die starben. 5,5 Millionen Soldaten
und 2,2 Millionen zivile Opfer. Das vereinigte Königreich
hatte 450.700 Opfer zu beklagen, wovon 67.100 Zivilisten
waren. Aus Amerika starben 418.500 Menschen, wovon
416.800 Soldaten waren. (6)
Die weltweiten Ausgaben für das Militär haben sich seit
2005 bis 2024 fast verdoppelt und betrugen zuletzt über
2,7 Billionen US-Dollar. (7) Eine brennende Frage, die sich
mir in solchen Zusammenhängen immer stellt, ist: Wer
profitiert davon oder wem nützt das? Zunächst einmal den
amerikanischen Rüstungskonzerne wie Lockheed Martin,
Raytheon Technologies, Boeing, Northrop Grumman und
General Dynamics. Aber auch die deutschen Firmen
Rheinmetall, Thyssen-Krupp, Hensoldt und Diehl sichern
sich dadurch ihre Gewinne. Und wem gehören diese Rüs-
tungskonzerne? Wichtige Anteilseigner nahezu aller Rüs-
tungskonzerne sind die Investmentunternehmen Black-
Rock, die Vanguard Group und die Capital Group. (8)
Das Kapital von BlackRock zum Beispiel wird der Invest-
mentgesellschaft von den Supereichen dieser Welt zur
Verfügung gestellt, die jedoch nur sehr ungern ins Ram-
penlicht treten, es aber gerne mitansehen, wie ihr Geld
sich auf wunderbare Weise vermehrt. (9) Inzwischen ver-
waltet BlackRock ein Vermögen in Höhe von 11,5 Billionen
US-Dollar. (10) Zum Vergleich betrug der Bundeshaushalt
Deutschlands 2024 384,2 Milliarden EURO, was ungefähr
449,36 Milliarden Dollar entspricht. (11)
Das gibt einem schon etwas zu denken, wenn Firmen rei-
cher und damit mächtiger sind als ganze Staaten, oder
nicht? Außerdem sei auch darauf hingewiesen, dass schon
der amerikanische Präsident Dwight D. Eisenhower in sei-
ner Abschiedsrede 1961 darauf hinwies, dass die Regie-
rungen darauf achten sollten, die Gefahren des unbefug-
ten Einflusses durch den militärisch-industriellen Komplex
nicht zu unterschätzen und sich dagegen wehren sollten.
(12)
Warum machen die Menschen nichts dagegen, dass sie in
Armut gehalten und immer wieder für reiche Leute in blu-
tigen Kriegen niedergemetzelt werden? Das Jahr 2024 war
das Jahr mit den meisten Kriegen seit dem Ende des zwei-
ten Weltkriegs. Die Welt scheint immer bedrohlicher und
unfriedlicher zu werden. (13)
Das versetzt die Menschen in Angst. Angst und Hass sind
sehr wirksame Mittel, um die Menschen abzulenken und
davon abzuhalten, verändernd auf die wirklichen Macht-
verhältnisse einzuwirken, also den Aufstand zu proben.
(14)
Wenn mir ständig und überall gesagt wird, dass die Rus-
sen bald vor der Tür stehen und wie furchtbar unmensch-
lich diese Bestien sind, dann werde ich es eines Tages
glauben und mit gezücktem Bajonett auf die sogenannten
Feinde losmarschieren und sie töten wo llen. Dass auf der
anderen Seite der Front genau solche Menschen wie ich
mit Ängsten, Freuden, Liebe, Interessen, Hoffnungen und
Ärger stehen, wird mir dabei egal sein. Ich werde freudig
den Politkern zustimmen, die sagen, dass wir mehr und
mehr Geld in die Rüstung stecken müssen. Nicht nur Mil-
liarden, nein Billionen müssen es sein. Soziale Belange
sind dabei völlig egal. (15)
Angst und Hass machen fügsam und stellen damit den
dritten wichtigen Themenkomplex dar, den ich in dem
vorliegenden Buch bearbeiten werde.
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