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Leseprobe:Der Wahnsinn nimmt kein Ende

vor 10 Minuten
6 Min. Lesezeit

von Darius Dreiblum



Einleitung

Bin ich verrückt oder ist es die Welt, die wahnsinnig ge-

worden ist? Das ist etwas, was mich schon geraume Zeit

beschäftigt. Vor ein paar Jahren bin ich zu der Erkenntnis

gelangt, dass nicht ich es bin, der dringend einer Behand-

lung bedarf, die mich erneut so zurechtrückt, dass ich in

unserer Gesellschaft wieder so funktioniere, wie das ge-

fälligst sein soll und damit weiteren Wohlstand für die Rei-

chen schaffe, sondern dass das ganze Weltgefüge so er-

schüttert ist, dass sich grundsätzlich etwas daran ändern

muss, damit es den Menschen wieder besser geht. Nur

wie kann das erreicht werden, stellt sich mir seitdem äu-

ßerst dringlich die Frage?

In diesem Zusammenhang fällt mir immer die Geschichte

von den Fröschen ein. Ein Frosch schwimmt zusammen

mit ein paar anderen Fröschen in einer Schüssel Wasser.

Dieser Topf wird langsam erhitzt. Die Amphibien merken

es nicht, dass das Wasser irgendwann kochen wird, da sie

Schritt für Schritt daran gewöhnt werden. Irgendwann

blubbert das Wasser bei 100 Grad, die Frösche sind gut

durch, schwimmen mit dem Bauch nach oben auf der

Wasseroberfläche und sind tot. Ich habe eines Tages ge-

merkt, dass ich so ein Frosch bin, hatte aber keine Lust

mehr, mich abkochen und verspeisen zu lassen. Daher be-

wege ich mich gerade zum Rand des Kochtopfs und will

ihn verlassen. Ich weiß nicht, ob ich es rechtzeitig schaf-

fen werde, über den Rand des Pottes zu gelangen, aber

ich probiere es zumindest.

Meine Mitfrösche, die nicht wirklich etwas davon ahnen,

was mit ihnen passiert, habe ich selbstverständlich ge-

warnt und gebeten, mit mir das warme Wasser zu verlas-

sen. Doch denen war das zu ungewiss, welches Schicksal

außerhalb des Topfes auf sie wartet. Zudem war das Was-

ser gerade so wohl temperiert und angenehm, dass sie es

nicht verlassen wollten. Dass sie mich aufgrund meiner

Warnungen Wutfrosch oder Vieldenker nannten, lasse ich

dabei mal außen vor.

Nun aber zurück zu meinem eigentlichen Thema. Dem

Wahnsinn des Systems. Wenn ich durch die Straßen der

kleinen Stadt laufe, in der ich wohne, muss ich mich im-

mer wieder darauf hinweisen, dass irgendjemand die

schönen Häuser besitzt, an denen ich dabei vorbeikomme.

Aber auch wenn ich mich durch den nahen Wald und die

Weinberge bewege, drängt sich bei mir der gleiche Ge-

danke auf. Alles gehört jemanden. Wieso und seit wann

ist das so? Und gehört die Erde mit allem, was sich darauf

befindet, nicht auch allen Menschen? Weswegen besitzt

der eine mehr als der andere? Wenn man solche Fragen

vertiefen möchte, kann man ganz leicht als verrückt an-

gesehen werden.

Oder anders herum. Ich sehe es ein, dass, wenn eine Fa-

milie ein Haus baut und darin wohnt, es ihr auch gehören

soll. Doch was ist mit den Menschen, die nicht nur ein

Haus besitzen, sondern hunderte, vielleicht sogar tau-

sende davon? Diese Menschen haben sich ihren Reichtum

erarbeitet. Die waren fleißiger als die anderen Drückeber-

ger. Leistung hat sich schon immer gelohnt und muss sich

auch weiterhin lohnen. Das ganze andere Schmarotzer-

pack liegt den arbeitenden Menschen doch nur auf der

Tasche. So oder so ähnlich, könnte eine Antwort darauf

lauten.

Doch mein Gedanke ist, dass ein normal arbeitender

Mensch in der heutigen Zeit, auch wenn er gar nicht

schlecht verdient, sich nur schwerlich ein eigenes Haus

leisten kann, geschweige denn hunderte oder tausende

davon. Außerdem muss er sich dazu bis zu seinem Le-

bensende bei der Bank seines Vertrauens verschulden und

hat damit schon fast seine Seele verkauft. Denn die Bank

möchte ihr Geld zurück, koste es, was es wolle. Da kann

ganz schnell aus einem arbeitenden Menschen ein bettel-

armer, obdachloser Schlucker werden.

Als ich erfuhr, dass das Geld, dass die Banken ihren Kun-

den leihen, aus dem Nichts entsteht, sogenanntes Fiat-

geld ohne reellen Gegenwert ist, wurde mir schon etwas

mulmig zumute. Und das ist erstaunlicherweise schon

ziemlich lange so. 1971 endete das Bretton-Woods-Sys-

tem, das nach dem zweiten Weltkrieg goldgedeckte Wäh-

rungen und die entsprechenden Wechselkurse einführte.

(1)(2)

Das Geld, was sich auf meinem Bankkonto befindet, kann

sich also jederzeit in das zurückverwandeln, aus dem es

entstanden ist, in Nichts, nada, niente, nothing. Wenn das

die anderen Frösche wüssten, würden sie vielleicht nicht

ganz so entspannt sein, oder? Aber das Problem, Geld auf

dem Bankkonto zu haben, haben weniger Menschen als

man denkt, denn laut dem Armuts- und Reichtumsbericht

der Bundesregierung, lebten in Deutschland 2021 fast 16

% der Menschen in Armut, wohingegen die reichsten 10

% über 50 % des vorhandenen Reichtums innehatten.

Und das mit steigender Tendenz. Oder mit anderen Wor-

ten werden die Reichen immer reicher und die Armen im-

mer ärmer. Obwohl das eigentlich ziemlich infam ist, gibt

es kaum Widerstand dagegen. (3)

Einem der reichsten Männer der Welt, Warren E. Buffett

fiel dazu nichts anderes ein, als zu sagen: „Es herrscht

Klassenkrieg, richtig, aber es ist meine Klasse, die Klasse

der Reichen, die Krieg führt, und wir gewinnen“ (4)

Ich sehe eine meine Aufgaben darin, dass eben dies nicht

geschieht. Auch wenn sie sich redlich darum bemühen,

will ich den Reichen nicht das Vergnügen gönnen, mich zu

besiegen.

In dem Zitat von Warren E. Buffett fällt allerdings noch

ein wichtiger Begriff, der einen zweiten elementaren

Themenbereich darstellt, den ich neben der Armut und

der ominösen Verteilung von Reichtum in diesem Buch be-

handeln werde. Kriege und bewaffnete Konflikte gehören

angeblich zur Menschheitsgeschichte wie das morgendli-

che Aufstehen und das abendliche Zubettgehen. Der ein

oder andere mag das bezweifeln. Worin hingegen viele

übereinstimmen werden, hat Jean-Paul Sartre zum Aus-

druck gebracht: „Wenn die Reichen Krieg führen, sterben

die Armen.“ (5) Ich habe noch von keinem Millionär ge-

hört, der für sein Land im Krieg gestorben ist, jedoch von

vielen Menschen der Arbeiterklasse, die in den Schützen-

gräben jämmerlich zugrunde gegangen sind.

Laut offiziellen Statistiken sind während des zweiten Welt-

kriegs 24 Millionen Menschen aus der Sowjetunion ums

Leben gekommen, davon 9,75 Millionen Soldaten und

14,25 Millionen Zivilisten. In Deutschland waren es 7,7

Millionen Menschen, die starben. 5,5 Millionen Soldaten

und 2,2 Millionen zivile Opfer. Das vereinigte Königreich

hatte 450.700 Opfer zu beklagen, wovon 67.100 Zivilisten

waren. Aus Amerika starben 418.500 Menschen, wovon

416.800 Soldaten waren. (6)

Die weltweiten Ausgaben für das Militär haben sich seit

2005 bis 2024 fast verdoppelt und betrugen zuletzt über

2,7 Billionen US-Dollar. (7) Eine brennende Frage, die sich

mir in solchen Zusammenhängen immer stellt, ist: Wer

profitiert davon oder wem nützt das? Zunächst einmal den

amerikanischen Rüstungskonzerne wie Lockheed Martin,

Raytheon Technologies, Boeing, Northrop Grumman und

General Dynamics. Aber auch die deutschen Firmen

Rheinmetall, Thyssen-Krupp, Hensoldt und Diehl sichern

sich dadurch ihre Gewinne. Und wem gehören diese Rüs-

tungskonzerne? Wichtige Anteilseigner nahezu aller Rüs-

tungskonzerne sind die Investmentunternehmen Black-

Rock, die Vanguard Group und die Capital Group. (8)

Das Kapital von BlackRock zum Beispiel wird der Invest-

mentgesellschaft von den Supereichen dieser Welt zur

Verfügung gestellt, die jedoch nur sehr ungern ins Ram-

penlicht treten, es aber gerne mitansehen, wie ihr Geld

sich auf wunderbare Weise vermehrt. (9) Inzwischen ver-

waltet BlackRock ein Vermögen in Höhe von 11,5 Billionen

US-Dollar. (10) Zum Vergleich betrug der Bundeshaushalt

Deutschlands 2024 384,2 Milliarden EURO, was ungefähr

449,36 Milliarden Dollar entspricht. (11)

Das gibt einem schon etwas zu denken, wenn Firmen rei-

cher und damit mächtiger sind als ganze Staaten, oder

nicht? Außerdem sei auch darauf hingewiesen, dass schon

der amerikanische Präsident Dwight D. Eisenhower in sei-

ner Abschiedsrede 1961 darauf hinwies, dass die Regie-

rungen darauf achten sollten, die Gefahren des unbefug-

ten Einflusses durch den militärisch-industriellen Komplex

nicht zu unterschätzen und sich dagegen wehren sollten.

(12)

Warum machen die Menschen nichts dagegen, dass sie in

Armut gehalten und immer wieder für reiche Leute in blu-

tigen Kriegen niedergemetzelt werden? Das Jahr 2024 war

das Jahr mit den meisten Kriegen seit dem Ende des zwei-

ten Weltkriegs. Die Welt scheint immer bedrohlicher und

unfriedlicher zu werden. (13)

Das versetzt die Menschen in Angst. Angst und Hass sind

sehr wirksame Mittel, um die Menschen abzulenken und

davon abzuhalten, verändernd auf die wirklichen Macht-

verhältnisse einzuwirken, also den Aufstand zu proben.

(14)

Wenn mir ständig und überall gesagt wird, dass die Rus-

sen bald vor der Tür stehen und wie furchtbar unmensch-

lich diese Bestien sind, dann werde ich es eines Tages

glauben und mit gezücktem Bajonett auf die sogenannten

Feinde losmarschieren und sie töten wo llen. Dass auf der

anderen Seite der Front genau solche Menschen wie ich

mit Ängsten, Freuden, Liebe, Interessen, Hoffnungen und

Ärger stehen, wird mir dabei egal sein. Ich werde freudig

den Politkern zustimmen, die sagen, dass wir mehr und

mehr Geld in die Rüstung stecken müssen. Nicht nur Mil-

liarden, nein Billionen müssen es sein. Soziale Belange

sind dabei völlig egal. (15)

Angst und Hass machen fügsam und stellen damit den

dritten wichtigen Themenkomplex dar, den ich in dem

vorliegenden Buch bearbeiten werde.




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